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Wie Jesus seine Jünger befähigte

Jesu revolutionäres Ausbildungsmodell für die Multiplikation des Glaubens


Basierend auf Greg Ogdens "Transforming Discipleship"


Die überraschende Erkenntnis


Was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass Jesus keine Universität gründete, keine Semester-Kurse anbot und kein Diplom verlieh – und trotzdem die einflussreichste Bewegung der Menschheitsgeschichte startete?


Greg Ogden stellt in Kapitel 4 seines Buches "Transforming Discipleship" eine provokante These auf: Jesus' Jüngerschaftsmodell war kein Curriculum – es war geteiltes Leben.


David Watson bringt es auf den Punkt:

"Als Buddha im Sterben lag, fragten ihn seine Schüler, wie sie sich am besten an ihn erinnern könnten. Er sagte ihnen, sie sollten sich nicht bemühen; es sei seine Lehre, nicht seine Person, die zähle. Bei Jesus war alles ganz anders. Alles dreht sich um ihn, seine Person. Jüngerschaft bedeutet, ihn zu kennen, ihn zu lieben, an ihn zu glauben, sich ihm hinzugeben."

Das Rohmaterial: Gewöhnliche Menschen wie du und ich


Bevor wir uns Jesu Trainingsmethode anschauen, müssen wir ehrlich sein: Mit wem hatte Jesus eigentlich zu arbeiten?


Ogden beschreibt die Zwölf mit erfrischender Nüchternheit: Sie waren „arme Männer von niedriger Geburt, niedrigem Stand, gewöhnlichen Berufen, die nie den anregenden Einfluss einer liberalen Bildung erfahren hatten."


Ein humorvolles fiktives Memo von "Jordan Management Consultants" an Jesus fasst es zusammen:


  • Petrus: Emotional instabil, zu Wutausbrüchen neigend

  • Andreas: Absolut keine Führungsqualitäten

  • Jakobus und Johannes: Stellen persönliches Interesse über Teamloyalität

  • Thomas: Demonstriert eine hinterfragende Haltung, die die Moral untergraben könnte

  • Matthäus: Von der Handelskammer auf die schwarze Liste gesetzt

  • Empfehlung: Nur Judas Iskariot zeigt echtes Potenzial!


Die Ironie ist messerscharf: Der einzige "Vielversprechende" wurde zum Verräter.


Die Ermutigung für uns? Jesus wählte bewusst gewöhnliche Menschen. Wenn er aus diesen "Hinterwäldlern aus dem galiläischen Hochland" (Apostelgeschichte 4,13) Weltveränderer machen konnte, dann gibt es Hoffnung für jeden von uns.


Das Vier-Stufen-Modell der Befähigung


Ogden identifiziert einen vierstufigen Entwicklungsprozess, den Jesus seine Jünger durchlaufen ließ. Inspiriert vom "Situational Leadership"-Modell von Hersey und Blanchard zeigt er, wie Jesus seinen Führungsstil bewusst an die Bereitschaft seiner Jünger anpasste:

Stufe

Jesu Rolle

Rolle der Jünger

Kernfrage

Beschreibung

1

Lebendes Beispiel

Beobachter & Nachahmer

Wer ist Jesus?

"Ich mache – du schaust zu"

2

Provozierender Lehrer

Schüler & Fragesteller

Was kostet Nachfolge?

"Ich mache – du hilfst"

3

Unterstützender Coach

Kurzzeit-Missionare

Wirkt Jesu Vollmacht durch uns?

"Du machst – ich helfe"

4

Ultimativer Delegierer

Apostel

Gebe ich mein Leben ganz der Mission?

"Du machst – ich schaue zu"


Stufe 1: Jesus, das lebendige Beispiel


"Wissen wurde durch Gemeinschaft gewonnen, bevor es durch Erklärung verstanden wurde."


In den ersten Kapiteln des Markusevangeliums treten die Jünger kaum in Erscheinung. Sie stehen am Rand, beobachten still. Sie sehen, wie Jesus:


  • Autorität demonstriert über Dämonen, Sünde, Sabbat, Natur, Krankheit und sogar den Tod

  • Sein Herz zeigt für Ausgestoßene: Besessene, Aussätzige, Gelähmte, Zöllner

  • Konflikte mit dem religiösen Establishment führt


Die Jünger sind wie Schwämme – sie saugen alles auf. Ihre einzige substanzielle Frage in dieser Phase kommt nach der Sturmstillung: "Wer ist dann dieser, dass ihm Wind und See gehorchen?" (Markus 4,41)


Das Prinzip für heute: Ogdens Frau, eine Grundschulrektorin mit drei Jahrzehnten Erfahrung, bestätigt: "Menschen interessiert nicht, wie viel du weißt, bis sie wissen, wie viel du dich kümmerst."


Stufe 2: Jesus, der provozierende Lehrer


In dieser Phase ändert Jesus bewusst seinen Stil. Er zieht die Jünger in Dialoge, stellt ihre Weltanschauungen auf den Kopf und konfrontiert sie mit unbequemen Wahrheiten.


Beispiel 1: Die Frage der Reinheit (Markus 7) Die Pharisäer meinten: Reinheit = äußeres Verhalten (Hände waschen).Jesus sagte: Reinheit = Herzenshaltung.


Beispiel 2: Der reiche Jüngling (Markus 10) Die Jünger glaubten: Reichtum = Gottes Segen.Jesus sagte: "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht..."

Ogden beobachtet:

"Jesus ließ die Jünger mit Paradoxien leben. Er richtete absichtlich mentale Zugzusammenstöße an. Auf denselben Gleisen rasten zwei diametral entgegengesetzte Gedanken aufeinander zu. Es gab keine einfachen Antworten, keine Ausfüll-Arbeitshefte."

Das Prinzip für heute: Viel zu viel Jüngerschaftsmaterial ist "mit dem Löffel gefütterter Babybrei." Jesus wollte Jünger, die selbst denken – auch wenn das unbequem ist.


Stufe 3: Jesus, der unterstützende Coach


Jetzt wird es ernst. Jesus sendet die Zwölf und die Siebzig auf eine Kurzmission – mit dem Wissen, dass er für die Nachbesprechung da sein wird.


Jesu Delegations-Meisterklasse:


  1. Klare Anweisungen (Matthäus 10,5-15): Genau definierte Parameter, Fokus, Demonstration und erwartete Reaktionen

  2. Klare Autorität: Verantwortung mit Vollmacht – nicht nur Aufgaben abschieben

  3. Klare Erwartungen: Jesus warnte sie auch vor Wölfen, Verfolgung und Verrat


Die Rückkehr war ein Fest: "Die Apostel versammelten sich um Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten" (Markus 6,30). Sie kamen "mit Freude zurück" (Lukas 10,17).


Aber auch Misserfolge gehörten dazu. Ein verzweifelter Vater kam zu Jesus, weil die Jünger seinen besessenen Sohn nicht heilen konnten. Die Jünger fragten Jesus später unter vier Augen: "Warum konnten wir ihn nicht austreiben?"(Markus 9,28)


Das Prinzip für heute:

"Man kann letztlich nur durch Tun lernen und wachsen."

Ogden teilt seine eigene Erfahrung: Eine Studentin sagte ihm nach seiner ersten Dienstzeit: "Du bist als Lehrer wirklich gewachsen." Als er nachfragte, ergänzte sie ehrlich: "Am Anfang warst du nicht besonders gut."


Stufe 4: Jesus, der ultimative Delegierer


"Die Stunde ist gekommen."


Jesus hat seinen ganzen Dienst auf die Vorbereitung der Zwölf gesetzt. Sein letztes Gebet (Johannes 17) offenbart, wofür sein Herz schlug:


  1. Die Sehnsucht nach Heimkehr zum Vater

  2. Das Gebet ausschließlich für die Zwölf – nicht einmal für die verlorene Welt, sondern für seine Kern-Jünger

"Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt." (Johannes 17,18)

Die Staffelübergabe ist vollzogen. Sein Dienst ist nun ihr Dienst.


Die unbequeme Frage an uns


Ogden schließt mit einer herausfordernden Reflexion:

"Wo sind die Männer und Frauen, in denen wir uns vervielfältigen, damit der Dienst lange nach unserem Weggang weitergeht? Wie würde sich unser Dienst verändern, wenn wir höchste Priorität darauf legen würden, einige wenige auszuwählen, zu motivieren und zu trainieren?"

Robert Coleman schrieb bereits 1963:

"Jesu Plan wurde nicht verworfen; er wurde ignoriert."

Und Ogden fügt hinzu: Das ist leider auch heute noch weitgehend wahr.


Praktische Anwendung: Wo stehst du?


Als Jünger:

  • In welcher Stufe befindest du dich gerade?

  • Hast du die "harte Linie" zwischen "Komm und sieh" und "Komm und folge mir" überschritten?


Als Jünger-Macher:

  • Wer sind die zwei bis drei Menschen, in die du dein Leben investierst?

  • Passt du deinen Führungsstil an ihre Bereitschaftsstufe an?

  • Bist du bereit, dich "überflüssig" zu machen?

Schlussgedanke


Martin Luther King Jr. schloss viele seiner Reden mit dem alten Gebet eines Sklaven:

"O Gott, ich bin nicht, was ich sein sollte, und ich bin nicht, was ich sein werde, aber dir sei Dank – ich bin nicht mehr, was ich einmal war."

Das ist die Hoffnung der Jüngerschaft: Ein Prozess, kein Endpunkt. Eine Reise, keine Ankunft. Ein Leben, das geteilt wird – von einer gewöhnlichen Person zur nächsten.


Die Frage ist nicht, ob du qualifiziert bist. Die Frage ist, ob du bereit bist, dich auf den Weg zu machen.



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