Wie definiert man das Universum?
- Jürgen Justus

- 15. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Das Buch „A CERTAIN KIND“ von Edmund Chan hat mein Verständnis von Jüngerschaft tiefgreifend verändert. Besonders das zweite Kapitel – „Was ist ein Jünger?“ – hat mir geholfen, zentrale Begriffe klarer zu erfassen und in ihrem biblischen Kontext neu zu bewerten.
Begriffe hinterfragen – oder: Wie definiert man das Universum?
Definitionen sind nie einfach – besonders dann nicht, wenn sie scheinbar selbstverständlich sind. Edmund Chan beginnt dieses Kapitel mit einem humorvollen Vergleich: „Definieren Sie das Universum – und geben Sie zwei Beispiele dafür.“Genauso schwer sei es, den Begriff „Jünger“ eindeutig zu definieren. Warum? Weil er, je nach Kontext, unterschiedliche Bedeutungen trägt.
Christ oder Jünger – gibt es da einen Unterschied?
Chan stellt neun provokative Aussagen wie z. B. „Viele sind Christen, aber nur wenige sind Jünger.“ oder „Nicht alle Christen sind Jünger.“ Seine verblüffende Antwort: Alle diese Aussagen sind wahr – je nach Kontext.
In Apostelgeschichte 11,26 etwa wurden die Jünger zum ersten Mal „Christen“ genannt. Damals waren „Christ“ und „Jünger“ gleichbedeutend. In diesem Sinne: Ja, alle Christen sind Jünger.
Doch Jesus selbst macht unmissverständlich klar, dass wahre Jüngerschaft radikale Hingabe bedeutet: „Wer nicht allem entsagt, was er hat, kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,33). Deshalb ist es auch wahr, dass nicht alle Christen Jüngersind – denn viele scheuen den Preis echter Nachfolge. Jüngerschaft wird oft als Sonderweg für geistlich Hochambitionierte angesehen – dabei ist sie der Weg, zu dem Jesus alle ruft.
Ein Begriff mit Geschichte
Im Neuen Testament stammt das Wort „Jünger“ vom griechischen mathetes – abgeleitet von manthano, was „lernen“ bedeutet. In der Antike bezeichnete das sowohl Lehrlinge als auch Schüler philosophischer Schulen. Auch jüdische Rabbis hatten Jünger – Schüler, die mit ihnen lebten und lernten.
Jesus übernimmt dieses damals geläufige Konzept – aber er verleiht ihm eine völlig neue Tiefe: Ein Jünger Jesu ist nicht nur ein Lernender, sondern jemand, der in eine transformierende Beziehung mit dem Meister eintritt. Jüngerschaft bedeutet nicht bloß Information, sondern Transformation.
Jünger Jesu – mehr als Nachfolger
Ein Jünger Jesu ist ein Mensch, der:
zu Jesus kommt, um ewiges Leben zu empfangen,
Jesus als Retter und Herrn bekennt,
sich auf den Weg gemacht hat, Ihm zu folgen –
und sich aktiv dafür einsetzt, andere zu Jüngern zu machen.
Diese vierte Dimension – geistliche Multiplikation – hebt Chan besonders hervor. Denn wahre Jüngerschaft zeigt sich nicht nur im persönlichen Wachstum, sondern darin, dass dieses Wachstum weitergegeben wird. Wer wirklich verwandelt wurde, wird andere prägen – das ist die Frucht echter Nachfolge.
Multiplikation als Prüfstein
Jesus sagt: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet“ (Joh 15,8). Jüngerschaft ohne Frucht ist keine echte Jüngerschaft. Deshalb gehört geistliche Multiplikation – das Gewinnen und Begleiten anderer Menschen auf dem Weg mit Jesus – zum Wesen jedes Jüngers.
Jesus hat nicht gesagt: „Folgt mir, und ich lehre euch Theologie.“ Er sagte: „Folgt mir, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Die Verwandlung durch Nachfolge führt zwangsläufig zur Frucht.
Für mich ist Jüngerschaft nach der Lektüre dieses Kapitels nicht mehr bloß eine Phase im Glaubensleben – sie ist der Herzschlag echter Nachfolge. Das Kapitel „What is a Disciple?“ hat mir gezeigt: Jünger zu sein bedeutet, ganz zu Jesus zu gehören, sich von Ihm verändern zu lassen und diese Veränderung an andere weiterzugeben.
Quelle: Edmund Chan – A CERTAIN KIND: Intentional Disciplemaking That Redefines Success In Ministry



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