Warum jeder kleine Schritt ein Wunder ist
- Jürgen Justus

- vor 4 Stunden
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Die Frustration der langen Wege und was „Erfolg“ in der Mission wirklich bedeutet
Wenn du schon einmal versucht hast, einen missionarischen Lebensstil zu leben, kennst du diesen Frust: Du betest seit Jahren für eine bestimmte Person. Du hast sie unzählige Male zum Essen eingeladen. Du hast ihr bei Umzügen geholfen, bei Beziehungskrisen zugehört und in passenden Momenten immer wieder kleine Hinweise auf deinen Glauben fallen lassen.
Und das Ergebnis? Sie ist immer noch nicht in der Kirche. Sie liest keine Bibel. Sie hat ihr Leben nicht Jesus übergeben.Irgendwann schleicht sich dieses lähmende Gefühl ein: „Ich habe versagt. Das bringt alles nichts. Es hat keinen Sinn.“
Dieser Frust entsteht aus einer falschen Definition von „Erfolg“. Wir haben uns angewöhnt, in der Evangelisation nur die „Heimläufe“ zu zählen – den Moment, in dem jemand am Ende eines Gottesdienstes nach vorne geht oder ein Übergabegebet spricht. Alles andere verbuchen wir als Fehlversuch.
Aber Gott sieht das völlig anders.
Die geistliche Reise ist kein 100-Meter-Sprint
Dave Ferguson beschreibt in seinem Buch Finding Your Way Back to God, dass Menschen nicht einfach eines Morgens aufwachen und beschließen: „Heute werde ich Christ.“ Glaube ist keine Einbahnstraße, in die man plötzlich abbiegt. Es ist eine lange, oft verschlungene Reise.
Ferguson spricht von verschiedenen „Erwachen“ (Awakenings), die Menschen durchmachen. Bevor jemand erkennt, dass Jesus die Antwort ist, muss er oft erst einmal erkennen, dass seine bisherigen Antworten (Geld, Karriere, Beziehungen) nicht funktionieren. Er muss eine Sehnsucht spüren.
Wenn wir das verstehen, ändert sich unsere Perspektive radikal. Wir sind nicht mehr nur an der Ziellinie interessiert, sondern an jedem einzelnen Schritt auf dem Weg dorthin.
Wie kleine Schritte in Wirklichkeit aussehen
Wenn du aufhörst, nur nach Bekehrungen Ausschau zu halten, wirst du plötzlich erkennen, dass Gott in deinen Beziehungen längst am Wirken ist.Was wir oft als "Stillstand" abtun, sind in Wahrheit gewaltige geistliche Durchbrüche:
Wenn ein ehemals zynischer Kollege, der immer über die Kirche gespottet hat, plötzlich sagt: „Ich bete zwar nicht, aber ich finde es gut, dass du das tust.“ – Das ist ein Wunder! Er hat seine Feindseligkeit abgebaut.
Wenn deine atheistische Nachbarin dir anvertraut: „Eigentlich fühle ich mich oft furchtbar leer, obwohl ich alles habe.“ – Das ist ein riesiger Schritt! Sie gibt zu, dass die Welt ihr nicht reicht.
Wenn ein Freund sagt: „Kannst du für meine kranke Mutter beten? Ich glaube zwar nicht dran, aber schaden kann es ja nicht.“ – Das ist ein Durchbruch! Er öffnet einen Spaltbreit die Tür für das Übernatürliche.
Jeder dieser kleinen Momente ist ein vom Heiligen Geist gewirkter Schritt näher an das Herz des Vaters heran.
Feiere die Zwischenetappen!
Im Vertrieb gibt es die Regel, dass ein Kunde im Durchschnitt sieben bis zwölf "Kontaktpunkte" mit einem Produkt braucht, bevor er kauft. In der geistlichen Reise ist es ähnlich – nur dass es hier oft hunderte von Berührungspunkten mit der Liebe Gottes braucht, bis das Herz weich wird.
Deine Aufgabe ist es vielleicht nicht, den letzten entscheidenden Kontaktpunkt zu liefern. Vielleicht ist deine Aufgabe „nur“ Kontaktpunkt Nummer vier (ihnen bei der Gartenarbeit zu helfen) oder Kontaktpunkt Nummer sieben (ihnen in einer Krise zuzuhören).
Wenn du das begreifst, bist du frei von dem Druck, „den Deal abschließen“ zu müssen. Paulus drückt es im Korintherbrief so aus: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, aber Gott hat das Wachstum geschenkt.“ (1. Kor 3,6).
Fazit: Treue statt Quoten
Lass dich nicht von scheinbaren Niederlagen entmutigen. Die Arbeit im Reich Gottes wird nicht in Abschlussquoten gemessen, sondern in Treue.
Jedes Mal, wenn du einem Menschen Liebe zeigst, säst du einen Samen. Jedes Mal, wenn du geduldig bist, räumst du einen Stein von ihrem Weg zu Gott. Feiere diese kleinen Schritte. Ein Herz, das von Feindseligkeit zu Gleichgültigkeit wechselt, hat eine gewaltige Reise hinter sich. Ein Herz, das von Gleichgültigkeit zu Neugier wechselt, ist ein Grund zur Party im Himmel.
Geh diese langen Wege mit. Hab Geduld. Und hör auf, dich als Versager zu fühlen, nur weil die Ernte noch auf sich warten lässt. Du bist genau da, wo Gott dich gebrauchen will.
Kernzitat zum Mitnehmen:
"Wir müssen aufhören, nur die 'Heimläufe' der Bekehrung zu feiern. Jeder Schritt, der einen Menschen weg von Zynismus und hin zur Liebe Gottes führt, ist ein vom Heiligen Geist gewirktes Wunder."



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