Du musst keine Antworten haben, du brauchst nur eine Geschichte
- Jürgen Justus

- 27. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Die unwiderlegbare Kraft deines unperfekten Zeugnisses
Warum reden wir so selten über unseren Glauben? Wenn wir ehrlich sind, liegt es meistens an einer tiefen Angst: Was ist, wenn mir jemand eine Frage stellt, die ich nicht beantworten kann?
Wir fürchten uns vor den großen Diskussionen: Woher kommt das Leid? Was ist mit der Evolution? Wie ist das mit den anderen Religionen? Wir haben das Gefühl, wir müssten erst ein halbes Theologiestudium absolvieren und ein Meister der Apologetik (Glaubensverteidigung) sein, bevor wir den Mund aufmachen dürfen. Und weil wir wissen, dass wir nicht auf alles eine schlaue Antwort haben, schweigen wir lieber ganz.
Aber was wäre, wenn Gott von dir gar nicht erwartet, dass du der Verteidiger seines Universums bist? Was, wenn du gar keine Antworten haben musst – sondern einfach nur eine Geschichte?
Johannes 9
In der Bibel gibt es eine faszinierende Begebenheit, die uns extrem entlasten kann. In Johannes 9 heilt Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war. Kurz darauf wird dieser Mann von den Pharisäern – der religiösen Elite der damaligen Zeit – in ein Kreuzverhör genommen.
Sie verwickeln ihn in eine hochkomplexe theologische Debatte: Darf man am Sabbat heilen? Wer ist dieser Jesus eigentlich? Ist er ein Sünder? Woher kommt er?
Der ehemals blinde Mann hat keine theologische Ausbildung. Er kennt die Antworten auf all diese Fangfragen nicht. Er lässt sich gar nicht erst auf die intellektuelle Debatte ein. Stattdessen liefert er die vielleicht genialste und unangreifbarste Antwort der gesamten Bibel:
„Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Eines aber weiß ich: Ich war blind, und jetzt sehe ich!“ (Johannes 9,25)
Boom. Diskussion beendet.
Gegen Erfahrungen kann man nicht argumentieren
Hier liegt das Geheimnis eines entspannten missionarischen Lebensstils: Menschen können über Philosophie streiten. Sie können Theologie zerpflücken. Sie können die historische Zuverlässigkeit der Bibel anzweifeln. Aber niemand kann gegen deine persönliche Erfahrung argumentieren.
Wenn du sagst: „Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen“, lädst du zu einer Debatte ein.Wenn du aber sagst: „Ich hatte furchtbare Zukunftsängste, aber seit ich angefangen habe zu beten, habe ich einen Frieden gefunden, den ich mir selbst nicht erklären kann“ – was soll dein Gegenüber darauf erwidern? Er kann nicht sagen: „Nein, das stimmt nicht! Du hast keinen Frieden!“ Es ist deine Erfahrung. Sie ist unwiderlegbar.
Das Erzählen der eigenen Geschichte ist der natürlichste Weg ist, das Evangelium zu teilen. Es ist nicht bedrohlich. Es ist einfach nur authentisch.
Meine Geschichte ist aber total langweilig!
Oft denken wir: „Ich habe aber keine krasse Geschichte. Ich war nie drogenabhängig, ich saß nie im Gefängnis. Ich bin einfach behütet aufgewachsen und habe irgendwann ja zu Jesus gesagt.“
Wir glauben fälschlicherweise, nur die dramatischen Hollywood-Zeugnisse würden zählen. Das Gegenteil ist der Fall! Die meisten Menschen in deinem Umfeld (deine Nachbarn, deine Kollegen) sitzen auch nicht im Gefängnis und sind keine Schwerverbrecher. Sie kämpfen mit ganz normalen Dingen: Stress, Überforderung, dem Sinn des Lebens, Erziehungsproblemen, Einsamkeit.
Sie brauchen keine Geschichte von einer dramatischen Rettung aus dem Kartell. Sie brauchen eine Geschichte von jemandem wie dir, der erzählt:
„Als mein Vater starb, hat mir der Glaube an die Auferstehung unglaublich viel Kraft gegeben.“
„Ohne das Wissen, dass Gott mir vergibt, würde ich an meinen eigenen Fehlern kaputtgehen.“
„Der Sonntag ist für mich wie ein Anker, an dem ich all meine Sorgen der Woche bei Gott abladen kann.“
Vom Anwalt zum Zeugen
Ein missionarischer Lebensstil bedeutet, dass du deine Rolle wechselst.Du bist nicht der Anwalt Gottes, der ihn im Zeugenstand der Weltgeschichte verteidigen und jeden Zweifel ausräumen muss.Du bist einfach nur ein Zeuge. Ein Zeuge vor Gericht muss nicht das gesamte Strafgesetzbuch auswendig kennen. Er muss einfach nur wahrheitsgemäß erzählen, was er selbst gesehen und erlebt hat. Nicht mehr und nicht weniger.
Also entspann dich. Wenn das nächste Mal jemand eine schwierige theologische Frage stellt, darfst du völlig befreit lächeln und sagen: „Gute Frage. Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Aber ich kann dir erzählen, was ich mit Gott erlebt habe…“
Kernzitat zum Mitnehmen:
"Die Welt kann deine theologischen Argumente in der Luft zerreißen, aber sie ist machtlos gegen die einfache Geschichte eines veränderten Lebens. Du musst die Bibel nicht erklären können, du musst nur erzählen können, was Jesus für dich getan hat."



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