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Die Kunst des langen Atems – Warum wir Gärtner und keine Verkäufer sind

Geduld in einer Instant-Kultur


Wir leben in einer Amazon-Prime-Welt. Wenn wir heute etwas bestellen, wollen wir es morgen haben. Wenn wir eine Nachricht schreiben, erwarten wir die zwei blauen Häkchen innerhalb von Minuten. Wir sind süchtig nach sofortigen Ergebnissen.


Diese Ungeduld tragen wir oft unbewusst in unser Glaubensleben und in unsere Beziehungen. Wenn wir uns vornehmen, missionarisch zu leben, schlüpfen wir schnell in die Rolle eines Jägers: Wir scannen unsere Umgebung, visieren ein „Ziel“ an (den Nachbarn, den Kollegen), legen unsere Argumente zurecht und warten auf den perfekten Moment zum „Schuss“ (das Bekehrungsgespräch). Und wenn kein sofortiger Treffer erfolgt, sind wir frustriert. Wir denken, wir hätten versagt oder der andere sei „verstockt“.


Doch das Reich Gottes funktioniert nicht wie eine Jagd. Es funktioniert wie ein Garten. Ein missionarischer Lebensstil gleicht nicht dem eines Scharfschützen, sondern dem eines Gärtners. Und das ist eine unglaublich befreiende Nachricht.


Das Prinzip des organischen Wachstums


Glaube ist fast nie ein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess. Eine Reise.


Ein Gärtner weiß, dass er eine Pflanze nicht zwingen kann zu wachsen, indem er an ihr zieht. Wenn er das tut, reißt er sie aus. Was tut ein Gärtner stattdessen? Er schafft die Bedingungen für Wachstum. Er investiert in den Prozess, nicht in das sofortige Ergebnis.


Die Aufgaben des Beziehungs-Gärtners


Wenn wir unser Umfeld mit den Augen eines Gärtners betrachten, ändert sich unsere Strategie völlig:


1. Den Boden bereiten (Beziehung bauen) Bevor gesät werden kann, muss der Boden gelockert werden. Viele Menschen haben harte Herzen – nicht aus Bosheit, sondern aufgrund von Enttäuschungen, Vorurteilen oder schlechten Erfahrungen mit Religion. Unsere Aufgabe ist es, „Steine“ wegzuräumen. Das tun wir durch Freundlichkeit, durch normales Menschsein, durch Hilfsbereitschaft. Wir machen den Boden weich.


2. Säen (Impulse geben) Ein Gärtner wirft nicht den ganzen Sack Samen auf eine Stelle. Er sät bedacht. Wir streuen kleine Hinweise auf Gottes Güte ein. Ein ehrliches „Ich bete für dich“, eine erzählte Geschichte, wie Gott uns geholfen hat. Kleine Samen, keine riesigen Theologie-Blöcke.


3. Jäten (Vorurteile abbauen) Manchmal wächst Unkraut. Missverständnisse über Gott („Gott ist ein Spaßverderber“, „Kirche ist nur für perfekte Leute“). Als Freunde dürfen wir dieses Unkraut vorsichtig zupfen, indem wir durch unser Leben ein anderes Bild zeigen: einen Gott der Gnade und der Freude.


4. Gießen und Warten (Geduld haben) Das ist der schwerste Teil. Gießen ist unspektakulär. Es bedeutet: Einfach da bleiben. Treu sein. Freund sein, auch wenn lange nichts „Geistliches“ passiert. Viele Christen geben auf, wenn nach drei Monaten keine Bekehrung stattfindet. Aber manche Pflanzen brauchen Jahre, bis sie blühen.


Befreiung vom Erfolgsdruck


Der Jäger-Modus erzeugt Stress: „Habe ich getroffen?“Der Gärtner-Modus bringt Frieden. Warum? Weil die Bibel die Arbeitsteilung klar regelt. Paulus schreibt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, aber Gott hat das Wachstum geschenkt.“ (1. Korinther 3,6).


Wir sind für den Gehorsam zuständig. Gott ist für das Ergebnis zuständig.


Wir sind verantwortlich dafür, liebevoll zu sein, gastfreundlich zu sein, authentisch zu sein. Wir sind nicht verantwortlich dafür, wann oder wie schnell jemand sein Herz für Jesus öffnet. Das ist das Werk des Heiligen Geistes.


Es ist okay, „nur“ ein Freund zu sein


Dieser Gedanke nimmt den manipulativen Unterton aus unseren Beziehungen. Wenn wir Jäger sind, ist der andere nur eine Trophäe. Wenn wir Gärtner sind, lieben wir die Pflanze um ihrer selbst willen.Es ist völlig in Ordnung, wenn jemand jahrelang „nur“ dein Freund ist, ohne sich zu bekehren. Deine Liebe zu ihm ist kein Mittel zum Zweck. Sie ist der Zweck. Denn indem du bedingungslos liebst, zeigst du ihm Jesus – egal, wie er darauf reagiert.


Fazit


Hör auf, auf die Uhr zu schauen. Vertraue dem Prozess. Vertraue dem Herrn der Ernte.Vielleicht ist heute nicht der Tag der Ernte. Vielleicht ist heute einfach nur der Tag, um ein bisschen zu gießen – mit einem Kaffee, einem guten Gespräch oder einem stillen Gebet.Sei ein Gärtner. Hab einen langen Atem. Was gesund wächst, braucht Zeit.


Kernzitat zum Mitnehmen:

"Wir können niemanden zu Gott zwingen, so wie wir eine Blume nicht zum Blühen zwingen können. Aber wir können den Boden bereiten, gießen und Licht spenden – und darauf vertrauen, dass Gott zur richtigen Zeit das Leben schenkt."

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