Die bestimmte Art – Wie dieses Buch meine Sicht auf Jüngerschaft verändert hat
- Jürgen Justus

- 11. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Das Buch „A CERTAIN KIND“ von Edmund Chan hat meine Sicht auf Jüngerschaft grundlegend geprägt. Es hat mir geholfen, den wahren Kern von Nachfolge zu verstehen: Es geht nicht nur darum, ob wir Jünger machen – sondern darum, welche Art von Jüngern wir hervorbringen. Und noch wichtiger: Welche Art von Jüngern wir selbst sind.
Mehr als nur Jüngerschaft – eine Frage der Identität
Die zentrale, herausfordernde Frage von Jüngerschaft ist nicht: „Machen wir Jünger?“, sondern: „Was für Jünger sollen wir eigentlich hervorbringen?“ Und letztlich: „Was für Jünger sind wir selbst?“
Edmund Chan antwortet darauf bewusst provokant: „A certain kind“ – eine bestimmte Art. Dieser Ausdruck lässt sich nicht sofort definieren – und genau das ist der Punkt. Er lädt uns ein, tiefer nachzudenken, um eine biblische Philosophie von Jüngerschaft zu entwickeln.
Zwei Bedeutungen – ein Ziel
Der Begriff „a certain kind“ hat zwei Ebenen:
Eine Beschreibung von Menschen voller geistlicher Gewissheit.
Diese Jünger sind sich sicher in ihrem Glauben, in der Wahrheit der Heiligen Schrift, in ihrer Erlösung durch das Werk Christi und in ihrer Berufung. Sie stehen fest – auch in dunklen Zeiten – weil ihre Sicherheit in der Beziehung zu Jesus Christus verwurzelt ist.
Ein Konzept für Jüngerschaft:
Jüngerschaft bedeutet, eine bestimmte Art von Person hervorzubringen, die einer bestimmten Berufung folgt, durch einen bestimmten Prozess geht und ein bestimmtes Ergebnis hervorbringt. Sobald wir „diese bestimmte Art“ im Licht der Bibel definieren, haben wir eine biblisch fundierte Jüngerschaftsphilosophie.
Die bestimmte Person – Charakter vor Kompetenz
Ein Jüngermacher ist in erster Linie selbst ein Jünger von „einer bestimmten Art“. Es geht um Menschen, die mit der Zeit und durch bewusste Hingabe in das Ebenbild Christi hineinwachsen. Wie bei den ersten Jüngern ist das Erkennungszeichen laut Apostelgeschichte 4,13: Sie waren mit Jesus gewesen.
Diese Menschen sind:
Christus-zentriert – von Ihm beherrscht,
verwurzelt in Gnade, Wachstum und Gottesfurcht,
ausgerichtet auf Gottes Willen, Gottes Weg und Gottes Ehre.
Pastor Dr. Philip Lyn beschreibt diese Menschen wie folgt:
Authentizität in der Anbetung Gottes,
Gebrochenheit im Wandel mit Gott (Demut),
Mut im Dienst für Gott.
Ein bestimmter Zweck – Leben mit Vision
Diese Jünger leben für ein Reich-Gottes-Ziel. Sie sind überzeugt davon, dass Gott durch sie die Welt verändern möchte. Sie erkennen:
Jeder Christ ist Teil von Gottes Familie.
Er soll ein Vorbild für Gottes Charakter sein.
Er ist berufen, Gottes Gnade zu vermitteln.
Und er soll Gottes Liebe weitergeben.
Sie verstehen: Effektive Jüngerschaft bedeutet Veränderung einzelner Leben – und das mit globaler Auswirkung.
Ein bestimmter Prozess – Investition ins Leben
Jüngerschaft ist kein Zufallsprodukt. Es ist ein bewusster Lebensstil, ein Investieren in andere. Wie Paulus an Timotheus schrieb (2. Tim 2,2): „Vertraue das, was du gehört hast, treuen Menschen an, die fähig sind, es weiterzugeben.“
Dieser Prozess geschieht sowohl in Gruppen als auch im persönlichen Mentoring – beides ist notwendig. Kleine Gruppen fördern Gemeinschaft, persönliche Beziehungen ermöglichen tiefere Begleitung. Besonders wertvoll ist dabei das Prinzip der „Zwischentreffen“ – unerwartete Gespräche zwischen regulären Treffen, die oft große geistliche Wirkung haben.
Ein bestimmtes Produkt – Frucht zählt
Das größte Problem heutiger Jüngerschaft ist nicht der Mangel an Aktivität, sondern die Frage nach dem Ergebnis. Was produzieren wir eigentlich? Denn: Wir reproduzieren immer nach unserer eigenen Art. Deshalb ist es entscheidend, dass der Jüngermacher selbst die „richtige Art“ ist.
Es reicht nicht, „anders“ zu sein – man kann auch „anders“ sein, aber dennoch nicht der Typ Mensch, den Gott sich wünscht. Die große Herausforderung lautet: Nicht nur anders sein – sondern die bestimmte Art sein.
Dieses Buch hat mich persönlich tief inspiriert. Es hat mein Verständnis von Jüngerschaft neu geformt – weg von Programmen und Methoden, hin zu einer klaren Vision: Ich möchte ein Mensch von einer bestimmten Art sein. Und andere dazu befähigen, es auch zu werden.
„Wir denken vielleicht, dass Gott bestimmte Taten von uns erwartet – doch in Wahrheit erwartet Er bestimmte Menschen.“ – C. S. Lewis
Quelle: Edmund Chan – A CERTAIN KIND: Intentional Disciplemaking That Redefines Success In Ministry



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