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Der einzige Jesus, den sie sehen – Warum deine Risse mehr strahlen als deine Perfektion

Von der Freiheit, kein Hochglanz-Christ sein zu müssen


Viele von uns zucken innerlich zusammen, wenn wir den Begriff „missionarischer Lebensstil“ hören. Wir haben sofort ein Bild im Kopf: Wir müssen theologische Antworten auf alle Fragen haben, immer glücklich sein und in jedem Gespräch geschickt die Kurve zum Evangelium kriegen. Das fühlt sich oft künstlich an – wie ein Verkaufsgespräch, bei dem unser Gegenüber nur darauf wartet, dass wir ihm etwas „andrehen“ wollen.


Aber was, wenn der größte Einfluss, den du auf deine Umgebung haben kannst, gar nicht in deiner Eloquenz liegt, sondern in deiner Echtheit?


Craig Etheredge bringt es in seinem Buch Red Key auf den Punkt: „Du bist vielleicht der einzige Jesus, den manche Menschen jemals sehen werden.“


Das klingt zunächst nach einer gewaltigen Last, vielleicht für den einen oder andern fast schon blasphemisch. Muss ich jetzt perfekt sein? Muss ich fehlerfrei leben, damit niemand ein falsches Bild von Gott bekommt? Nein. Das Gegenteil ist der Fall.


Dein Leben ist die Plattform


Alles, was in deinem Leben präsent ist, ist deine Plattform für Christus.


Wir denken oft, unsere „Plattform“ seien die Momente, in denen wir über den Glauben sprechen. Aber in Wahrheit ist unsere Plattform unser Umgang mit dem unfreundlichen Kellner. Unsere Reaktion, wenn uns jemand im Straßenverkehr die Vorfahrt nimmt. Die Art, wie wir über unseren Chef sprechen, wenn er nicht im Raum ist.


Unsere Nachbarn, Kollegen und Freunde beobachten uns. Nicht, um uns zu verurteilen, sondern weil sie nach etwas suchen, das in unserer Welt selten geworden ist: Hoffnung, die hält, wenn das Leben wackelt.


Warum Perfektion niemanden überzeugt


Auch wenn Instagram-Filter und glatt polierte LinkedIn-Profile überall sind: Die Sehnsucht vieler Menschen geht nicht nach noch mehr Perfektion. Perfektion schafft Abstand.


Wenn wir als Christen so auftreten, als hätten wir keine Probleme, keine Zweifel und keine dunklen Tage, entsteht eine unsichtbare Wand. Dann denkt unser Gegenüber: „Freut mich für dich, dass bei dir alles so rund läuft – aber mit meinem echten Leben hat das nichts zu tun.“


Ein missionarischer Lebensstil bedeutet nicht, eine fromme Fassade aufrechtzuerhalten. Er bedeutet, Menschen in unser echtes Leben zu integrieren – inklusive der Risse und Kanten.

Es ist leicht, ein „fröhlicher Christ“ zu sein, wenn die Sonne scheint. Der wahre Test für die Authentizität deiner Beziehung zu Jesus ist, wenn die Stürme aufziehen und du dich ohne Regenschirm wiederfindest.


Die Kraft der Verletzlichkeit


Genau hier liegt die Chance für tiefe, unaufdringliche Beziehungen. Wenn dein Leben schwer wird – eine Krankheit, eine Kündigung, familiäre Sorgen – und du trotzdem nicht bitter wirst, dann werden Menschen aufmerksam.


Nicht, weil du so stark bist. Sondern weil du eine Quelle hast, die dich trägt.


Stell dir vor, ein Nachbar fragt dich: „Wie geht es dir?“


  • Die fromme Maske sagt: „Danke dem Herrn, alles bestens!“ (Obwohl es nicht stimmt).

  • Der authentische Nachfolger sagt: „Ehrlich gesagt, ist es gerade richtig schwer. Ich mache mir große Sorgen um meinen Job. Aber ich lerne gerade neu, darauf zu vertrauen, dass Gott mich durchträgt, auch wenn ich den Weg noch nicht sehe.“


In diesem Moment hast du keine Predigt gehalten. Du hast niemanden bedrängt. Aber du hast eine Tür geöffnet. Du hast gezeigt, dass der Glaube keine Versicherung gegen Probleme ist, sondern der Anker mitten im Sturm.


Einladung ins echte Leben


Wir müssen aufhören, das Evangelium wie ein Produkt zu behandeln, das wir „auftischen“ müssen. Stattdessen dürfen wir Menschen in unser Leben einladen.


Lass sie sehen, wie du dich bei deinen Kindern entschuldigst, wenn du ungerecht warst. Lass sie sehen, dass du vor dem Essen dankst, auch im Restaurant. Lass sie wissen, dass du für sie betest, wenn sie dir von ihren Sorgen erzählen.


Du musst kein Superheld sein. Du musst nur transparent sein. Wie ein Fenster: Ein Fenster muss nicht selbst leuchten. Es muss nur sauber genug sein, damit das Licht der Sonne hindurchfallen kann.


Vielleicht bist du wirklich der „einzige Jesus“, den dein Nachbar diese Woche sieht. Und vielleicht ist das Beste, was er sehen kann, nicht deine Stärke, sondern wie Gottes Kraft in deiner Schwachheit mächtig ist.


Kernzitat zum Mitnehmen:

"Schmerz, Freude, gute und schlechte Zeiten ... was auch immer in deinem Leben gerade da ist, ist deine Plattform für Christus. Wir können Spiegel sein, die die Herrlichkeit des Herrn hell reflektieren." – Craig Etheredge

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